RESEARCH EXAMPLES

 

Emotionsregulation als transdiagnostisches Interventionsziel

Unsere Emotionen steuern unser Verhalten - die Art, die Intensität oder die Dauer von Emotionen in eine bestimmte Richtung zu beeinflussen ist daher eine wichtig Fähigkeit. Probleme mit der Emotionswahrnehmung und Emotionsregulierung sind bei vielen psychischen Störungen, wie der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS), Autismus, Störungen des Sozialverhaltens, Emotional instabiler Persönlichkeitsstörung vom Borderline-Typ, Nicht-Suizidaler Selbstverletzung und Suchterkrankungen bekannt und hängen auch mit der neuropsychologischen Leistungsfähigkeit zusammen (Abb. 1; Banaschewski et al., 2012). Das Auftreten emotionaler Fehlregulation kann im Zusammenspiel mit der Entwicklung dieser Störungen dann nicht nur Auswirkungen auf die psychische Gesundheit haben, sondern auch die physische Gesundheit negativ beeinflussen. Dies spiegelt sich beispielsweise in einem erhöhten Risiko für kardiovaskuläre Störungen und Stoffwechselerkrankungen wider.

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Abb.1:

Pfaddiagramm zu den Zusammenhängen von ADHS Symptomen, neuropsychologischer Leistungsfähigkeit und emotionaler Labilität – kontrolliert für Geschlecht, Alter und Intelligenz (adaptiert nach Banaschewski et al., 2012). Die Pfeile geben die Richtung der Beeinflussung an.

In verschiedenen Studien hat sich außerdem gezeigt, dass hierbei insbesondere auch frühe negative Erfahrungen in der Kindheit eine wichtige Rolle spielen und die Regulation von Emotion und Verhalten beeinträchtigen können (Herzog und Schmahl 2018). Des Weiteren hat sich herausgestellt, dass Veränderungen der emotionalen und Verhaltensdysregulation auch mit Veränderungen im Gehirn, wie beispielsweise in der grauen Substanz, assoziiert sind. Diese Alterationen der Gehirnfunktionen scheinen im Kontext von Angststörungen und Störungen des Sozialverhaltens mit der Entwicklung von emotionalen und behavioralen Symptomen einherzugehen, bzw. diese widerzuspiegeln. (Abb.2; Spechler et al., 2019).

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Abb.2:

Pfaddiagramm zu den Zusammenhängen von Angstsymptomen und Symptomen der Störung des Sozialverhaltens, dem Volumen in der grauen Substanz des rechten Orbitofrontalkortex und emotionaler und Verhaltensdysregulation (adaptiert nach Spechler et al., 2019). Die Pfeile geben die Richtung der Beeinflussung an.

Solche Ergebnisse können nun genutzt werden, um die Fähigkeit zur emotionalen und Verhaltensregulation bei psychischen Störungen im Rahmen von Therapieansätzen zu trainieren bzw. anzupassen (z.B., BMBF-ESCA-Life; http://www.esca-life.org; BMBF-STAR; https://star-projekt.de).Dies kann über verschiedene neurobiologische und psychobiologische Bahnen erfolgen, beispielsweise über die Beeinflussung der Aktivierung bestimmter Regionen im Gehirn (Neurofeedback), die bei der Emotionsregulation eine wichtige Rolle spielen. Bei Depression, Borderline-Störungen, Selbstverletzung und Suchterkrankungen haben wir solche Verfahren bereits erfolgreich eingesetzt S. Abb. 3). Aber auch dialektische Verhaltens- und Trauma-fokussierte Gruppeninterventionen über verschiedene Interventionsphasen hinweg sind hierbei relevant und zeigen sich beispielsweise bei Personen mit einer Störung des Sozialverhaltens besonders wirksam (z.B., FemMat-CD; https://femnat-cd.eu).“ ändern zu: „Dies kann beispielsweise über die Beeinflussung der Aktivierung bestimmter Gehirnregionen und assoziierter neurobiologischer Bahnen erfolgen (z.B. via Neurofeedback), die bei der Emotionsregulation eine wichtige Rolle spielen. Bei Depression, Borderline-Störungen, Selbstverletzung und Suchterkrankungen haben wir solche Verfahren bereits erfolgreich eingesetzt (siehe Abb. 3). Aber auch dialektisch-behaviorale Verhaltenstherapie und Trauma-fokussierte Gruppeninterventionen können genutzt werden und zeigen sich beispielsweise bei Personen mit einer Störung des Sozialverhaltens besonders wirksam (z.B., FemMat-CD; https://femnat-cd.eu).

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Abb.3:

Modulation der fronto-limbischen Aktivität und der Emotionsregulation mittels Neurofeedback (real-time-fMRT) bei Patienten mit Borderline-Störung und Nicht-Suizidaler Selbstverletzung. Vier Trainingssessions à 30 Minuten führen zu einer Reduktion der Amygdala-Aktivität und einer verbesserten limbisch-präfrontalen Konnektivität (unten links) sowie einer erhöhten emotionalen Stabilität (unten rechts).

Eine Verbesserung der emotionalen Regulationsfähigkeit ist jedoch nicht nur bei Interventionen zur Behandlung psychischer Störungen wesentlich, sondern sollte vor allem auch im Rahmen von Präventionsprogramm zur Verhinderung der Entwicklung solcher Störungen eingesetzt werden (DUDE; com.can, https://comcan.de).

Referenzen:
Banaschewski, T., Jennen-Steinmetz, C., Brandeis, D., Buitelaar, J.K., Kuntsi, J., Poustka, L., Sergeant, J.A., Sonuga-Barke, E.J., Frazier-Wood, A.C., Albrecht, B., Chen, W., Uebel, H., Schlotz, W., van der Meere, J.J., Gill, M., Manor, I., Miranda, A., Mulas, F., Oades, R.D., Roeyers, H., Rothenberger, A., Steinhausen, H.C., Faraone, S.V. & Asherson, P. Neuropsychological correlates of emotional lability in children with ADHD. J Child Psychol Psychiatry 53, 1139-1148 (2012).

Herzog, J., Schmahl, C.: Adverse Childhood Experiences and the Consequences on Neurobiological, Psychosocial and Somatic Conditions across the Lifespan. Frontiers in Psychiatry, 9, 420 (2018).

Spechler, P.A., Chaarani, B., Orr, C., Mackey, S., Higgins, S.T., Banaschewski, T., Bokde, A.L.W., Bromberg, U., Buchel, C., Quinlan, E.B., Conrod, P.J., Desrivieres, S., Flor, H., Frouin, V., Gowland, P., Heinz, A., Ittermann, B., Martinot, J.L., Nees, F., Orfanos, D.P., Poustka, L., Frohner, J.H., Smolka, M.N., Walter, H., Whelan, R., Schumann, G., Garavan, H., Althoff, R.R. & Consortium, I. Neuroimaging Evidence for Right Orbitofrontal Cortex Differences in Adolescents With Emotional and Behavioral Dysregulation. J Am Acad Child Adolesc Psychiatry 58, 1092-1103 (2019).

Zaehringer, J.K., Ende, G., Santangelo, P., Kleindienst, N.. Ruf, M., Bertsch, K., Bohus, M., Schmahl, C., Paret, C. Improved emotion regulation after neurofeedback: A single-arm trial in patients with borderline personality disorder. Neuroimage Clinical, 24, 102032 (2019)


"Die große Entdeckung meiner Generation ist, dass Menschen ihr Leben verändern können, indem sie ihre geistige Einstellung ändern." -William James-

 

Evidenzbasierte Psychopharmakotherapie und Pharmakovigilanz

Psychopharmakologie und Pharmakovigilanz bei Kindern und Jugendlichen


Ein Schwerpunkt unserer Präventionsforschung befasst sich mit Gesundheitsrisiken bei Kindern und Jugendlichen im Rahmen einer Therapie mit Psychopharmaka. Wenn Kinder und Jugendliche mit psychischen Störungen Medikamente benötigen, sind sie gegenüber Erwachsenen benachteiligt. Derzeit fehlen noch für viele Substanzen Daten zur Wirksamkeit, zur (langfristigen) Sicherheit sowie zu altersangepassten Empfehlungen für Dosierungen oder Serumkonzentrationsbereichen. Die betroffenen Kinder sind damit einem höheren Risiko für unerwünschte Arzneimittelwirkungen ausgesetzt, insbesondere bei gleichzeitiger Verabreichung mehrerer  Medikamente (Polypharmazie) oder bei Gabe von für die Altersstufe oder die Indikation nicht zugelassenen Wirkstoffen (Off-Label-Anwendung).

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Schema der Passage eines Pharmakons und Faktoren, welche die Wirksamkeit und Verträglichkeit von Medikamenten beeinflussen können. Kinder, die einer Psychopharmakotherapie bedürfen, zeigen entwicklungsabhängige Besonderheiten gegenüber Erwachsenen sowohl hinsichtlich der Pharmakodynamik sowie Pharmakokinetik. Pharmakovigilanzmaßnahmen inkl. Therapeutic Drug Monitoring sind erforderlich um die Sicherheit, Wirksamkeit und Verträglichkeit der Pharmakotherapie zu steigern.

Trotz dieser erheblichen Unsicherheiten werden Psychopharmaka an Minderjährige von verschiedenen Berufsgruppen wie Psychiatern, Kinderärzten, Neurologen und Allgemeinärzten verschrieben, was einen interdisziplinären Ansatz im Umgang mit den geschilderten Herausforderungen erfordert.CHILDhealth-Forscher waren in Deutschland Pioniere bei der Einführung des Therapeutischen Drug Monitorings (TDM) als praxisnahes Forschungsgebiet und der Etablierung proaktiver Pharmakovigilanz-Maßnahmen im klinischen Alltag. Hierzu wurde das ‚Kompetenznetz Therapeutisches Drug Monitoring‘ (www.TDM-KJP.de) gegründet, das mittlerweile 48 Mitglieder in 5 europäischen Ländern zählt und das erste internetbasierte Patientenregister im Bereich der pädiatrischen Psychopharmakologie in Deutschland etabliert hat (BMBF-Förderung). Dies ermöglichte auch die Durchführung der internationalen, multizentrischen vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte geförderten Pharmakovigilanzstudie ‚TDM-VIGIL‘, die prospektiv die Sicherheit der (off-Label) Anwendung von Antidepressiva, Antipsychotika und Stimulanzien bei ca. 1200 Kindern und Jugendlichen im klinischen Alltag untersucht hat. In dem vom Innovationsfonds des G-BA geförderten Projekt KIDsafe wird ein digitales evidenzbasiertes Informationstool in der klinischen Praxis erprobt, um Nebenwirkungen zu reduzieren.

Auch in mehreren andere Konsortien zum Thema Psychopharmakologie haben wir in entscheidender Position mitgewirkt: Wir untersuchten die Langzeitsicherheit von Methylphenidat in der Behandlung von Kindern und Jugendlichen mit ADHS im Rahmen des von der Europäischen Union geförderten Projekts „ADDUCE“, welches auch die Anpassung der nationalen ADHS S3-Richtlinien vorantrieb. Das EU-Projekt PERS untersuchte Sicherheitsaspekte zur Behandlung von Kindern und Jugendlichen mit Risperidon. Das EU-Projekt STOP (PI: Banaschewski) befasste sich mit verschiedenen Aspekten medikationsassoziierter Suizidalität. Mit dem EU-Projekt TACTICS wurden  die Wirksamkeit und Sicherheit glutamaterger Substanzen in der Behandlung von Zwangsstörungen und Autismusspektrumstörungen sowie damit zusammenhängende neurobiologische Grundlagen untersucht. Darüber hinaus sind CHILDhealth-Mitglieder nationale Vertreter der Kinderpsychiatrie im Rahmen der Initiative German-Net-Paed / EU-C4C. 

Zusammenfassend haben unsere Erfahrungen aus zwei Jahrzehnten Pharmakovigilanzforschung bei Kindern und Jugendlichen die nationalen Richtlinien zum TDM von Neuropsychopharmaka (AGNP e.V.) beeinflusst und erste evidenz-basierte Daten für die Definition von altersangepassten Serumkonzentrationsbereichen verschiedener Substanzen geliefert.
In einem spezialisierten TDM-Labor (Standort Würzburg) bieten wir schon jetzt einen TDM-Service mittels Massenspektrometrie auf neuestem Stand der Technik und fachärztlicher Befundung. In naher Zukunft werden wir auch  pharmakogenetische Analysen durchführen können.


CHILDhealth verfolgt damit das Ziel, die Evidenzbasierung  der Psychopharmakotherapie bei Kindern und Jugendlichen zu fördern sowie Pharmakovigilanz-Maßnahmen im klinischen Alltag flächendeckend zu implementieren.

 

Evidenzbasierte Psychopharmakotherapie und Pharmakovigilanz

Trotz dieser erheblichen Unsicherheiten werden Psychopharmaka an Minderjährige von verschiedenen Berufsgruppen wie Psychiatern, Kinderärzten, Neurologen und Allgemeinärzten verschrieben, was einen interdisziplinären Ansatz im Umgang mit den geschilderten Herausforderungen erfordert.CHILDhealth-Forscher waren in Deutschland Pioniere bei der Einführung des Therapeutischen Drug Monitorings (TDM) als praxisnahes Forschungsgebiet und der Etablierung proaktiver Pharmakovigilanz-Maßnahmen im klinischen Alltag. Hierzu wurde das ‚Kompetenznetz Therapeutisches Drug Monitoring‘ (www.TDM-KJP.de) gegründet, das mittlerweile 48 Mitglieder in 5 europäischen Ländern zählt und das erste internetbasierte Patientenregister im Bereich der pädiatrischen Psychopharmakologie in Deutschland etabliert hat (BMBF-Förderung). Dies ermöglichte auch die Durchführung der internationalen, multizentrischen vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte geförderten Pharmakovigilanzstudie ‚TDM-VIGIL‘, die prospektiv die Sicherheit der (off-Label) Anwendung von Antidepressiva, Antipsychotika und Stimulanzien bei ca. 1200 Kindern und Jugendlichen im klinischen Alltag untersucht hat. In dem vom Innovationsfonds des G-BA geförderten Projekt KIDsafe wird ein digitales evidenzbasiertes Informationstool in der klinischen Praxis erprobt, um Nebenwirkungen zu reduzieren.

Auch in mehreren andere Konsortien zum Thema Psychopharmakologie haben wir in entscheidender Position mitgewirkt: Wir untersuchten die Langzeitsicherheit von Methylphenidat in der Behandlung von Kindern und Jugendlichen mit ADHS im Rahmen des von der Europäischen Union geförderten Projekts „ADDUCE“, welches auch die Anpassung der nationalen ADHS S3-Richtlinien vorantrieb. Das EU-Projekt PERS untersuchte Sicherheitsaspekte zur Behandlung von Kindern und Jugendlichen mit Risperidon. Das EU-Projekt STOP (PI: Banaschewski) befasste sich mit verschiedenen Aspekten medikationsassoziierter Suizidalität. Mit dem EU-Projekt TACTICS wurden  die Wirksamkeit und Sicherheit glutamaterger Substanzen in der Behandlung von Zwangsstörungen und Autismusspektrumstörungen sowie damit zusammenhängende neurobiologische Grundlagen untersucht. Darüber hinaus sind CHILDhealth-Mitglieder nationale Vertreter der Kinderpsychiatrie im Rahmen der Initiative German-Net-Paed / EU-C4C. 

Zusammenfassend haben unsere Erfahrungen aus zwei Jahrzehnten Pharmakovigilanzforschung bei Kindern und Jugendlichen die nationalen Richtlinien zum TDM von Neuropsychopharmaka (AGNP e.V.) beeinflusst und erste evidenz-basierte Daten für die Definition von altersangepassten Serumkonzentrationsbereichen verschiedener Substanzen geliefert.
In einem spezialisierten TDM-Labor (Standort Würzburg) bieten wir schon jetzt einen TDM-Service mittels Massenspektrometrie auf neuestem Stand der Technik und fachärztlicher Befundung. In naher Zukunft werden wir auch  pharmakogenetische Analysen durchführen können.


CHILDhealth verfolgt damit das Ziel, die Evidenzbasierung  der Psychopharmakotherapie bei Kindern und Jugendlichen zu fördern sowie Pharmakovigilanz-Maßnahmen im klinischen Alltag flächendeckend zu implementieren.